Unsichtbarer Dienst

Ich bin Feministin. Und stehe dazu. Ich bin es mir darum gewohnt, über die Gleichheit der Geschlechter zu diskutieren. Einige werfen mir in solchen Gesprächen dann jeweils vor, Männer zu benachteiligen. Weil ich, wenn ich schon für die absolute Gleichstellung sei, auch für die Wehrpflicht der Frauen sein müsse. Nein, muss ich nicht. Und dafür gibt es Gründe. Ich bin, ganz allgemein und unabhängig vom Geschlecht, gegen die Wehrpflicht. Sie ist überholt, sinnlos und einschränkend.

Doch das ist nicht der einzige Grund. Die Diskussion über die Wehr- und Dienstpflicht der Frauen, wie sie kürzlich in einem vom Bundesrat in Auftrag gegebenen Bericht ein Revival feierte, macht mich hässig. Sie suggeriert, dass es bis anhin nur die Männer seien, die einen „Dienst“ an der Gesellschaft leisten würden. Das ist falsch. Frauen tun das längst. Tausendfach und täglich. Im Gegensatz zu den Soldaten bekommen sie dafür weder Sold noch Schulterklopfen (dafür aber eine tiefe Rente im Alter). Und ohne dass sie sich am Wochenende erholen könnten. Denn Kinder, pflegebedürftige (Schwieger-)Eltern, Wäsche, dreckiges Geschirr und Staub kennen kein Wochenende. Sie sind immer da, auch dann, wenn es gerade nicht passt. Es ist dieser „unsichtbare“ Dienst, der es überhaupt ermöglicht, dass unsere Gesellschaft funktioniert. Und es sind Gleichstellungsgesetz hin oder her, nach wie vor Frauen, die den grössten Teil dieser unbezahlten Arbeit leisten.

Anstatt also auch die Frauen in eine überflüssige Wehrpflicht zu drängen, können wir stattdessen mit der Gleichstellung der Geschlechter vorwärts machen. Auch zuhause. Ein wichtiger solcher Schritt wäre zum Beispiel die Einführung einer anständigen Elternzeit, wie sie andere Länder bereits kennen. Wir können und sollten uns das leisten. Ich wüsste auch schon, wo wir das Geld dafür problemlos abzwacken könnten.

erschienen im Coucou-Magazin N°45, September 2016

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