Stimmen die Legenden, so konnte der stadtbekannte Immobilienbesitzer Bruno Stefanini im Rolls Royce von Greta Garbo fahren, am Tisch von John F. Kennedy speisen und abends im Sterbebett von Napoleon einschlafen. Stefanini, Gründer der Stiftung für Kunst, Kultur und Geschichte, hat in seinem Leben ein Sammelsurium an Gegenständen gesammelt. Was er respektive seine Stiftung alles besitzen, weiss niemand so genau. Ein Inventar seiner Kunstwerke, Kuriositäten und Kulturgüter wird erst erstellt. Das hinderte den Kanton Zürich jedoch nicht daran, die Stiftung seit Jahren von den Steuern zu befreien. Obwohl eine Steuerbefreiung eigentlich Institutionen vorbehalten ist, die öffentliche oder gemeinnützige Zwecke verfolgen. Worin der gemeinnützige Zweck in diesem Fall besteht, bleibt bis heute unbeantwortet. Oder wie es der aktuelle FDP-Stadtrat Stefan Fritschi einst in einer Debatte zu einem von ihm als Gemeinderat eingereichten Vorstoss zur Steuerbefreiung treffend sagte: „Der einzige Zweck der Stiftung ist die Finanzierung eines Hobbys eines bekannten Winterthurer Privatmannes.“

Gemäss Landbote werden nach dem Tod von Stefanini zudem alle Liegenschaften in das Eigentum der Stiftung übergehen. Die Gewinne aus den Liegenschaften fliessen offenbar bereits heute in die steuerbefreite Stiftung. Nachdem die Nachfolge der Stiftung nach jahrelangem Streit endlich geklärt ist, ist es höchste Zeit neben der Museumsdiskussion auch zentrale Fragen zur Steuerbefreiung wieder zu stellen:

Womit wird die Gemeinnützigkeit der Stiftung erklärt? Wie lässt sich diese mit der Vermietung von unzähligen Liegenschaften rechtfertigen? Oder auch: Wieviele Steuereinnahmen entgingen der Stadt Winterthur durch die Steuerbefreiung? Kann die Gemeinnützigkeit nicht endlich schlüssig nachgewiesen werden, muss der Kanton die Stiftung endlich verpflichten, Steuern zu bezahlen – wie wir alle auch, wenn wir Häuser oder Vermögen besitzen.

 

erschienen als Leserbrief im Landbote, 2. Juli 2018

 

 

 

 

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